Dr. Marcus Trapp

“Das neue System muss aber das Gleiche können wie das alte!” “NEIN!”

Systeme richtig modernisieren
Wenn ein Softwaresystem (endlich) modernisiert werden soll, kommt oft reflexartig die Anforderung „Das neue System muss aber das Gleiche können wie das alte!” Was sich auf den ersten Blick sinnvoll anhören mag, ist es keineswegs. Warum das so ist, wird vor dem Hintergrund häufiger Modernisierungsziele und typischer Systemhistorien erklärt. Damit sollten alle Zuhörer in Zukunft argumentativ gerüstet sein, diesen Fehler nicht mehr zu begehen. Darüber hinaus werden im Vortrag Stolperfallen und Best Practices für die Planung einer erfolgreichen Modernisierung aufgezeigt.
Systeme leben häufig über viele Jahre oder gar Jahrzehnte, werden sorgsam gepflegt und immer wieder geflickt. Aber irgendwann wirkt das UI angestaubt, Änderungen brauchen ewig und man will von Möglichkeiten moderner Technologien profitieren. Die Entscheidung, das System zu modernisieren, wird gefällt. Und dann kommt die einfachste Anforderung der Welt, die wir alle schon gehört haben: “Das neue System muss aber das Gleiche können wie das alte!”. Dass wir diese Anforderung so häufig hören, ist nicht verwunderlich: Sie ist einfach, man kann sie auch formulieren, wenn man das System nur oberflächlich kennt und scheint dabei umfassend und präzise zu sein. Tatsächlich ist diese Anforderung aber ziemlich unsinnig. Über die Jahre entstehen bei zu modernisierenden Systemen fast immer Kompromisslösungen, nachträgliche Ergänzungen und technische Schulden. Diese wollen wir gerade nicht mit ins neue System nehmen, sondern die Chance der Modernisierung nutzen. Das Gleiche gilt für die Sicht der User Experience. Wenn man das System schon umbaut, bietet es sich an das User Interface grundlegend zu überdenken. Außerdem zeigen viele Untersuchungen, dass ein Großteil der Features einer Software so gut wie nie verwendet wird und der Wert eigentlich nur durch einige wenige Funktionalitäten generiert wird. Bei einer Modernisierung haben wir also die Möglichkeit zu konsolidieren, unnötigen Ballast abzuwerfen und mit leichterem Gepäck in die Zukunft zu gehen. In diesem Vortrag wird im Detail erklärt, warum die einfachste Anforderung der Welt Unsinn ist, und geben Erfahrungen, Hinweise und Best Practices für die frühen Phasen eines Modernisierungsvorhabens, in denen es darum geht, den Zielzustand zu gestalten und den Weg der Modernisierung zu planen. Es wird gezeigt, wie man entscheidet, welche Features tatsächlich übernommen werden sollten, wie man das Modernisierungsvorhaben im Unternehmen und in den Teams verankert und wie man die Tiefe und Umfang der Modernisierung plant. Erfahrungen und Hinweise werden anhand von konkreten Beispielen aus Projekten illustriert.

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Speaker-Infos

Dr. Marcus Trapp

Fraunhofer IESE

Dr. Marcus Trapp ist Software Engineer aus Leidenschaft und leitet die Abteilung „Digital Innovation Design“ am Fraunhofer IESE. Frei nach seinem Motto ”Software is no end in itself; it always supports or enables business.“ unterstützt er Unternehmen in den Themenfeldern Digitale Ökosysteme, User Experience für Geschäftsanwendungen sowie Creativity & Innovation Workshops, Requirements Engineering, Interaction Design und User Interface Prototyping. Denn Software ist heute in (beinahe) jeder Branche der wichtigste Innovationstreiber. Marcus Trapp ist Gründungsmitglied des Arbeitskreises Digital Design im Bitkom und enthusiastischer Sprecher auf zahlreichen Konferenzen.